A EUROPEAN LANGUAGES PROJECT

Forschung als Rückgrat des LANGUAGE MAGICIAN Projekts

26. Oktober 2017

Von Suzanne Graham

Das Projekt THE LANGUAGE MAGICIAN greift viele der Erkenntnisse auf, die aus einer kürzlich von der University of Reading/Institute for Education durchgeführten Studie hervorgegangen sind. In dieser von der Nuffield Foundation finanzierten Studie (Primary Modern Languages: the impact of teaching approaches), untersuchten wir zum einen, ob im Französischunterricht ein Lehransatz, der die mündliche oder die schriftliche Kommunikationsfähigkeit in den Vordergrund stellt, zu besseren Ergebnissen bei den SchülerInnen führt. Zeitlich ging es dabei um den Wechsel von der Grund- zur weiterführenden Schule. Zum anderen beschäftigen wir uns wissenschaftlich mit der Entwicklung der SchülerInnen-Motivation zum Fremdsprachenlernen und den Einfluss weiterer Lehrer- und Unterrichtsfaktoren. Die Studie begleitete ca. 250 englische SchülerInnen, die ab Year 5 in der Grundschule (9-10 Jahre alt) Französisch lernten, bis zum ersten Jahr auf der weiterführenden Schule (Year 7, 11-12 Jahre alt). Karl Pfeiffer vom Goethe-Institut London nahm an der Abschlusskonferenz unseres Projektes teil und lud uns daraufhin ein, Projektpartner des Projekts THE LANGUAGE MAGICIAN zu werden.

THE LANGUAGE MAGICIAN ist ein Computerspiel, das spielerisch die fremdsprachlichen Fertigkeiten von SchülerInnnen im Grundschulbereich messen kann. Das Projekt entwickelt also eine motivierende Lernstandsanalyse, die ohne schriftliche Korrekturen auskommt.

Viele unserer Erkenntnisse sind relevant für THE LANGUAGE MAGICIAN und nahmen Einfluss auf Aspekte der Spielentwicklung. Ein Aspekt ist zum Beispiel der Zusammenhang zwischen SchülerInnen-Motivation und ihren Leistungen im Fremdsprachenlernen. Der Artikel  Individual differences in early language learning: A study of English learners of French (2015) stellt Erkenntnisse der Forschung zu Interaktion von Schülervariablen (Geschlecht, Motivation, Selbstwirksamkeit und Erstsprachenkompetenz) und ihren Ergebnissen beim Erlernen der Zweitsprache vor. Wir konnten eine große Variation hinsichtlich der Einstellung der SchülerInnen und ihrer Ergebnisse feststellen und einen komplexen aber wichtigen Zusammenhang zwischen Erstsprachenkompetenz, Selbstwirksamkeit, Geschlecht und den Leistungen nachweisen. Beispielsweise waren die Mädchen zunächst positiver eingestellt als die Jungen und erzielten höhere Leistungen; als wir aber die Erstsprachenkompetenz betrachteten, verschwanden die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bezüglich der Einstellung und den Ergebnissen. Die geringere Motivation und der geringere Erfolg von Jungen im Fremdspracherlernen, über die häufig berichtet wird, kann also minimiert werden, wenn Lehransätze verfolgt werden, die Probleme in der Erstsprachenkompetenz aufgreifen.

In unserem Artikel Motivational trajectories for early language learning across the primary-secondary transition. (2016) untersuchten wir die Entwicklung der Motivation über die Zeit hinweg und insbesondere beim Übergang von der Grund- zur weiterführenden Schule. Zentrale Erkenntnisse sind, dass die Motivation der SchülerInnen beim Übergang zur weiterführenden Schule stieg und dass sie Fremdsprachenlernen als besonders wichtig für das Reisen empfanden. Ob der Unterricht in der Grundschule auf mündliche oder schriftliche Kommunikation ausgelegt war, spielte bezüglich ihrer Motivation eine weitaus kleinere Rolle, als allgemeine Erfahrungen im Unterricht. Es stellte sich als ganz besonders wichtig heraus, dass die SchülerInnen das Gefühl hatten, Fortschritte gemacht zu haben und dass der Unterricht auf ihre Bedürfnisse abgestimmt war. Die Motivation nahm zum Ende von Year 7 hin ab, was wir mit einer wachsenden Kluft in Verbindung bringen: die SchülerInnen nahmen Französischlernen einerseits als wichtig für Reisen und Kommunikation wahr, andererseits gab es de facto keine Kommunikation mit Muttersprachlern, sodass die Selbstwirksamkeit als gering empfunden wurde. Tests in der weiterführenden Schule waren nicht beliebt und SchülerInnen wünschten sich mehr kommunikations- und spielbasierte Aktivitäten. Zum Ende des ersten Jahres auf der weiterführenden Schule änderte sich die Einstellung der SchülerInnen hinsichtlich zukünftiger Fortschritte. Sie waren weniger optimistisch dazu eingestellt. Diese Erkenntnisse stehen im Zusammenhang mit dem Konzept von THE LANGUAGE MAGICIAN, das den SchülerInnen in einem kommunikativen, spielbasierten Kontext ein klares Gefühl von Fortschritt vermittelt. Für unsere Pilotstudie von THE LANGUAGE MAGICIAN haben wir den Fragebogen, den wir für das Nuffield-Projekt entworfen hatten, an das Spiel angepasst, um herauszufinden, wie die SchülerInnen in den Projektländern zum Fremdsprachenlernen und zum Spiel selbst stehen – und bisher waren die Antworten sehr positiv.

In unserem Artikel Early language learning: the impact of teaching and teacher factors (2017) stellten wir den Einfluss von anderen Faktoren auf die Lernergebnisse dar, zum Beispiel wie sich die Anzahl der Unterrichtsstunden und die Qualifikation der Lehrer in Französisch und Sprachpädagogik auswirken. Wie bei der Motivation spielte auch die Wahl eines auf mündliche oder schriftliche Kommunikation ausgelegten Ansatzes hinsichtlich der Fortschritte der SchülerInnen in Vokabular und Grammatik eine kleinere Rolle als die Französischkenntnisse der Grundschullehrer und die Anzahl der Französischunterrichtsstunden in der Grundschule. Der Einfluss dieser Faktoren wirkte bis in die weiterführende Schule nach. Bisher konnten wir auch bei THE LANGUAGE MAGICIAN feststellen, dass die Anzahl an Unterrichtsstunden, die zwischen den Projektländern unterschiedlich ausfällt, die Ergebnisse, die die SchülerInnen im Spiel erzielen, beeinflusst. Es ist wichtig, zu bedenken, dass das frühere Fremdsprachenlernen auch angemessene Unterrichtsbedingungen braucht (z.B. ausreichend Unterrichtszeit, Unterstützung für die Lehrkräfte bezüglich ihrer eigenen Fremdsprachenkenntnisse und Pädagogik), um positive Ergebnisse zu erzielen. Um Erfolg zu garantieren, reicht es also nicht alleine aus, früh mit dem Fremdsprachenlernen zu beginnen!

VERWEISE

Courtney, L., Graham, S., Tonkyn, A., & Marinis, T. (2015). Individual differences in early language learning: A study of English learners of French.  Applied Linguistics. https://doi.org/10.1093/applin/amv071

Graham, S., Courtney, L., Tonkyn, A., & Marinis, T. (2016). Motivational trajectories for early language learning across the primary-secondary school transition. British Educational Research Journal, 42/4, 682–702.  doi: 10.1002/berj.3230

Graham, S.Courtney, L.Marinis, T., & Tonkyn, A. (2017). Early language learning: The impact of teaching and teacher factors. Language Learning. doi: 10.1111/lang.12251

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