A EUROPEAN LANGUAGES PROJECT

Sprachenlernen ist keine Zauberei, oder doch?

6. Juli 2017

Zum Sprachenunterricht in der Grundschule im Vereinigten Königreich

In den vergangenen Jahren wurde in ganz Europa für das Erlernen von Fremdsprachen im Grundschulalter geworben. Es bestehen jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den Ansätzen der europäischen Länder.

Im Vereinigten Königreich ist das Bildungswesen Sache der vier Länder (England, Wales, Schottland und Nordirland). Deshalb gibt es innerhalb des geografisch engen Raumes vier verschiedene Lehrpläne und die Situation des Sprachenunterrichts an Grundschulen ist uneinheitlich:

  • In Wales und Nordirland ist das Erlernen einer Fremdsprache an Grundschulen nicht gesetzlich vorgeschrieben und findet nur dort statt, wo die Schulleiter den Wert des Fremdsprachenlernens erkannt haben.
  • In Schottland hat ab 2021 jedes Kind den Anspruch darauf, eine erste Fremdsprache ab der ersten Grundschulklasse (Alter 5) und eine zweite Sprache ab der fünften Grundschulklasse zu erlernen. Dieser Anspruch besteht bis zum Ende des dritten Sekundarschuljahres (Alter 15).
  • In England ist seit 2013 gesetzlich verankert, dass jede Schule eine Fremdsprache anbieten muss; sowohl für Keystage 2 (3. bis 6. Grundschul-jahr, Alter 7 – 11) als auch für Keystage 3 (1. bis 3. Sekundarschuljahr, Alter 11 – 14). Allerdings ist dieser Plan noch nicht vollständig umgesetzt und es gibt eine Reihe von Schulen, die dieser Regelung nicht folgen müssen, da sie einen besonderen Status haben.

Regierungswechsel und Veränderungen in der Bildungspolitik haben sich nachteilig auf die Sprachenpolitik ausgewirkt, da jedes Bildungsministerium andere Prioritäten setzte. Die letzte Labour-Regierung förderte die Entwicklung einer ‚nationalen Sprachenstrategie‘. Dies beinhaltete einheitliche Ansätze und finanzielle Unterstützung bei der Aus- und Fortbildung von Grundschullehrkräften sowie die Aufstellung von Richtlinien für UK-weite Lehrpläne und Bewertungskriterien. Nationale Bildungsstandards wurden ausgearbeitet in der Annahme, dass das Erlernen von Fremdsprachen auf Primarschullevel im nächsten Parlament gesetzlich verankert werden würde.

Mit Beginn der Koalitionsregierung im Jahr 2010 wurden diese Pläne aber ad acta gelegt. Die Entwicklung einer einheitlichen Sprachenstrategie wurde nicht weitergeführt und ein Großteil der zentral finanzierten Unterstützung wurde gestrichen. Die neue Bildungspolitik brachte auch verheerende Folgen für den Bereich Prüfungen und Fortschrittsmessungen. Nationale Bildungsstandards wurden gänzlich abgeschafft und Schulen haben somit bis zur GCSE-Prüfung im Alter von 16 Jahren kein nationales Vergleichssystem mehr.

Die neuste Version des nationalen Lehrplans für Fremdsprachen im Primarbereich füllt lediglich etwas mehr als eine A4-Seite, Darin ist zu lesen, dass Grundschulkinder entweder eine moderne oder eine alte Fremdsprache lernen sollen und dass der Unterricht Lerner dazu befähigen soll, ‚bedeutenden Fortschritt in einer Sprache‘ zu machen. Außerdem soll der Unterricht eine Kombination aus schriftlichen und mündlichen Elementen enthalten und die Grundlage für weiteres Fremdsprachen-lernen in höheren Klassen legen. Viel Raum für Kreativität. Aber es gibt keine Richtlinien in Bezug auf das zeitliche Ausmaß des Fremdsprachenunterrichts, keine genaueren Erläuterungen zu oben genannten Zielen und erst recht keine finanzielle Unterstützung zur Umsetzung durch die nationale Regierung. Auch die lokalpolitische Unterstützung für Sprachen wurde größtenteils abgebaut mit der Begründung, dass Lehrkräfte und Schulen am besten selbst Lösungen und Ansätze finden.

Der Sprachenlehrerverband ALL (Association for Language Learning) hat sich der Unterstützung von Fremdsprachenlehrern verschrieben. ALL möchte sicherstellen, dass Kindern im frühen Alter wertvolle Grundlagen für das Fremdsprachenlernen mitgegeben werden, und dass sowohl Lehrkräfte als auch Lerner durch die Erfahrung des Sprachenlernens motiviert werden. ALL und ehrenamtliche Helfer überall im Land arbeiten unermüdlich daran, trotz begrenzten Budgets Beratung und Fortbildungen anzubieten.

In diesem Jahr (2017) hat ALL einen Leitfaden zu Grundprinzipien der Leistungsmessung im Sprachunterricht der Grundschulen entwickelt. Lehrkräften wird damit eine Hilfestellung gegeben, den Lernfortschritt ihrer Schülerinnen und Schüler einzuschätzen. Ein solcher Leitfaden ist besonders für solche Lehrkräfte hilfreich, die bisher als Grundschullehrer, aber nicht als Fremdsprachenlehrer ausgebildet und eingesetzt waren.

Das Dokument basiert auf Ideen eines Expertenteams, der Expert Subject Advisory Group (ESAG). ALL zitiert daraus, um zu Reflexion und zum Austausch von Lehrern untereinander über ihre Praktiken anzuregen. Beispiel:

Welche Rolle spielt das Erlernen einer Sprache in der Grundschule?
Es gibt unterschiedliche Ansichten dazu, aber Expertenmeinungen beinhalten im Allgemeinen:

  • Freude
  • Entwicklung einer positiven Einstellung gegenüber anderen Menschen und Kulturen
  • Entwicklung von generellem Bewusstsein für Sprache
  • Entdecken von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Sprachen
  • Kennenlernen verschiedener Texte und Textsorten
  • Erkennen von Zusammenhängen
  • Verbesserung von Kommunikationsfähigkeiten und Selbstvertrauen
  • Entwicklung von Sprechfähigkeiten, z.B. Sprechen mit dem richtigem Wortakzent, mit richtiger Aussprache und Intonation sowie Erkennen von bereits bekanntem Wortschatz
  • Konzentration darauf, je nach Kommunikationszweck ein angebrachtes Entwicklungsniveau in der Lese- und Schreibfähigkeit in einer anderen Sprache zu erreichen
Woran können sich Grundschullehrer orientieren, um Sprachen effektiv zu bewerten?

Grundschullehrkräfte sind erfahren darin, verschiedene Bereiche des Lehrplans zu bewerten; da die benötigten Fähigkeiten dafür die gleichen sind, haben sie also schon eine gewisse Kompetenz.

Die Lehrkräfte könnten auf wachsendes Selbstvertrauen bei Sprech- und Lesekompetenz achten, sowie auf steigende Bereitschaft, die neue Sprache mittels Lesen und Schreiben zu erkunden.

Im Grundschulbereich könnte auf folgende Methoden zur Fortschritts- bzw. Leistungsmessung  zurückgegriffen werden:

  • in Einzel- oder Gruppenarbeit: Lehrkräfte beobachten z.B. Aussprache, Wortschatzkenntnis, Reaktion auf bekannte Phrasen für Lehrer-anweisungen in der Fremdsprache
  • bei Projektarbeit: Lehrkräfte betrachten Korrektheit und Wortschatz-umfang z.B. in schriftlichen Arbeiten
  • bei Präsentationen in Schulversammlungen: Lehrkräfte können z.B. das Verständnis und die Mitmachbereitschaft von Kindern in verschiedenen sprachlichen Situationen beobachten
  • auch formellere Formen der Leistungsmessung lassen sich einbeziehen, falls diese in der Schule üblich sind, z.B. Vokabeltests, Diktate und Hörverstehensübungen

Die ALL Primary Steering Group, die dies erarbeitet hat, plant die Erarbeitung weiterer Dokumente, die praktische Tipps für Fortschrittsmessung durch Beobachtung geben sollen. Ressourcen für fachliche Weiterbildung sind auch auf dem ALL Connect Blog verfügbar: Besonders zu empfehlen das „Keystage 2 Coordinator’s Handbook“ und das „Progression-Modul“, zu dem es ein gleichnamiges Wiki gibt.

Eine der größten Schwierigkeiten für Grundschullehrkräfte ist allerdings, dass die Schulleitungen zunehmend ‚datenfokussiert‘ arbeiten und immer mehr statistische Angaben zum Lernfortschritt der Kinder haben möchten.

  • Wie können also stark beschäftigte Grundschullehrer zuverlässige Daten erhalten?
  • Wo könnten sie etwas finden, dass Fortschritt bei Sprachkompetenzen aufzeigt?
  • Wann können sie überhaupt die Zeit für jegliche Art von Bewertung finden, wenn sie (im Durchschnitt) dazu nur etwa 30 Minuten Zeit pro Woche zur Verfügung haben?
  • Und wie können sie vermeiden, dass diese Datenerhebung zu einer demotivierenden Komponente für die Kinder wird?

Die Antwort könnte der LANGUAGE MAGICIAN sein. Das Computerspiel (hinlänglich hier auf der Website beschrieben) kann sowohl dem britischen als auch anderen Schulsystemen eine Lösung für das Problem der Lernfortschrittsmessung in der Grundschule bieten.

In Deutschland ist Bildung ebenfalls eine länderpolitische Angelegenheit; daher gibt es auch dort unterschiedliche Lehrpläne in 16 Bundesländern. Aber egal in welchem Bundesland, das Spiel THE LANGUAGE MAGICIAN kann Lehrkräfte besonders in der Übergangsphase von der Grundschule auf die Sekundarschule unterstützen. Die Lehrkräfte können damit am Ende des letzten Grundschuljahres den Leistungsstand der Lerner einfach, spielerisch und zugleich verlässlich abfragen. Diese Information lässt sich an die Sekundarschule weitergeben. Ebenso können Lehrkräfte das Spiel zu Beginn des ersten Sekundarschuljahres einsetzen, um auf simple und detaillierte Art zu ermitteln, wo die Stärken und Schwächen der einzelnen Lerner hinsichtlich verschiedener Sprachkompetenzen liegen. Nachdem sich Lehrkräfte mittels des Spiels einen generellen Überblick über den Leistungsstand der Lerner verschafft haben, können sie ihre Methodik und Didaktik differenziert darauf einstellen und jeden einzelnen Lerner besser berücksichtigen.

Abgesehen von all diesen Vorteilen, bietet die Verwendung des LANGUAGE MAGICIAN eine signifikante Einsparung an Korrekturarbeit.

Diese Art der Lernstandsmessung hat zudem den Vorteil, dass die Interessen und Gewohnheiten der Lerner bedient werden. ‚Digital Natives‘ sind mit Computerspielen vertraut und würden sie nicht notwendigerweise mit einer Testsituation in Zusammenhang bringen. Prüfungsdruck und Stress für die Kinder kann vermieden und Motivation gegeben werden.

Zauberei?

 

 

 

 

Steven Fawkes, ALL

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